Zur aktuellen Gewaltseskalation in Israel-Palästina / On the current escalation of violence in Israel-Palestine

News, Statements

English

Wie alle Leute, die geliebte Menschen in Israel-Palästina haben, verfolgen wir die Nachrichten über die eskalierende Gewalt mit Sorge und Horror. Wir waren während der letzten großen Runde der Kämpfe im Jahr 2014 in Israel, und die Nachrichten von Raketen, die in israelischen Städten einschlagen, während jüdische Rassisten palästinensische Bürger auf den Straßen angreifen, wecken sehr schwierige Erinnerungen.

Aber wie in jenem Jahr sind wir noch entsetzter, angesichts dessen, was die israelische Regierung tut, insbesondere mit ihren Angriffen auf Gaza. Während sich unsere Familien und Freunde in Israel in der Regel auf die Sicherheit von Sicherheitsräumen, Luftschutzbunkern und dem Iron-Dome-System verlassen können, werden im Gazastreifen ganze Wohnhochhäuser zerstört, während die Bewohner:innen nirgendwo sicher hinlaufen können.

Israel versucht, diese Angriffe als ethisch vertretbar erscheinen zu lassen, indem es behauptet, dass alle Bewohner:innen vorgewarnt werden und die Möglichkeit haben, zu fliehen, aber das ist in unseren Augen nichts als eine PR-Taktik: Der Gazastreifen ist einer der am dichtesten besiedelten Orte der Welt; nach eineinhalb Jahrzehnten Bombardierung und Belagerung gibt es keine sicheren Orte, zu denen man fliehen kann. Eingezäunt und umzingelt sind die Gazaner:innen gefangen und den Bombardierungen der militärischen Supermacht der Region ausgesetzt. Wenn man das Bedürfnis nach sozialer Distanzierung hinzunimmt, erscheinen Israels Warnungen eher brutal als barmherzig.

Jedes einzelne Leben, das durch diese Gewalt verloren geht, ist unersetzlich. Jedes einzelne ist eine unnötige Katastrophe. Dennoch stellen wir fest, dass wieder, während die überwiegende Mehrheit der Opfer Palästinenser:innen sind, die Mainstream-Medien der israelischen Seite überproportionale Aufmerksamkeit schenken, während die Palästinenser:innen hauptsächlich als Zahlen erscheinen.

Wie bei jeder Eskalation der Gewalt werden weit mehr Palästinenser:innen verletzt und getötet als Israelis, sowohl wegen Israels fortschrittlicher und mächtiger Armee als auch wegen des umfangreichen Schutzes, den Israelis haben. Doch selbst innerhalb Israels stellen wir fest, dass nicht jeder diesen Schutz gleichermaßen erhält – unter den Getöteten auf israelischer Seite sind ein palästinensischer Mann und seine Tochter aus dem nicht anerkannten Dorf Dahmash in der Nähe von Tel Aviv, das nicht den vollen Schutz des Staates erhält.

Ähnlich ist es mit der gegenseitigen Straßengewalt. Innerhalb israelischer Städte, in denen sowohl Palästinenser:innen als auch jüdische Israelis:innen leben, wie Jerusalem/Al-Quds und Lydda/Lod, kommt es zunehmend zu Angriffen von Juden an Palästinenser:innen und umgekehrt. Dennoch sprechen Regierungsminister den jüdischen Angreifern neben den jüdischen Opfern ihre Unterstützung aus, und die Polizei wird zu deren Schutz eingesetzt, während die Gewalt von Palästinensern allseits verurteilt wird und die palästinensischen Opfer ihrem Schicksal überlassen werden.

Während die meisten israelischen Mainsream-Medien und ein Großteil der internationalen Mainstream-Medien sich wieder ganz auf die Angriffe auf Israel konzentrieren, müssen wir klar sagen: Palestinian lives matter. Gazaner sind nicht Zahlen. Die israelische Regierung ist für die Eskalation der Gewalt, die sie in den letzten Wochen anscheinend absichtlich provoziert und aufgebaut hat, voll verantwortlich.

Israelische Staatsbürger:innen, darunter insbesondere Palästinenser:innen, die gegen die Gewalt auf die Straßen gehen, werden zur Zeit durch die Polizei niedergeschlagen, mit noch mehr Gewalt als zuvor.

Jüdische Israelis, palästinensische Israelis und Palästinenser im belagerten Gazastreifen und im besetzten Westjordanland und Ostjerusalem – alle Menschen, die unter dem israelischen Regime leben, sind Opfer dieser Gewalt und dieser Unterdrückung. Aber diese Gruppen sind nicht gleichermaßen Opfer, und sie tragen nicht die gleiche Verantwortung. Als Israelis fühlen wir uns verantwortlich, die israelische Regierung zu kritisieren und eine klare Position zu beziehen.

Wir erklären unsere Solidarität mit all denen, die von den Streitkräften unseres Heimatlandes ins Visier genommen werden. Wir solidarisieren uns mit allen, die sich dem gewalttätigen, rassistischen Regime Israels entgegensetzen. Wir solidarisieren uns mit allen, die sich für die Beendigung der Besatzung und der Apartheid einsetzen. Wir verurteilen alle, die sich dagegenstellen.

Free Sheikh Jarrah! Beendet die Belagerung Gazas! Nieder mit der Besatzung!

English version:

Like anyone with loved ones in Israel-Palestine, we have been following the news of escalating violence with worry and horror. We were in Israel in the last major round of fighting in 2014, and the news of rockets hitting Israeli cities while Jewish racists attack Palestinian citizens in the streets brings back very difficult memories.

But like that year, we are even more horrified to see what the Israel government is doing, especially with its attacks on Gaza. While our families and friends in Israel can usually rely on the safety of security rooms, bomb shelters and the Iron Dome system, in the Gaza strip entire residential towers are destroyed while the residents have nowhere safe to run to.

Israel tries to make such attacks appear ethical by claiming all residents are given a warning and an opportunity to run away, but we see this is as no more than a public relations tactic: the Gaza Strip is one of the most densely populated places in the world; after a decade and a half of bombardment and siege, there are no safe places to run to. Fenced in and surrounded, Gazans are trapped and exposed to the bombings of the region’s military superpower. When you add in the need for social distancing, Israel’s warnings seem more like cruelty than compassion.

Every single life lost in this violence is irreplaceable. Every one is an unnecessary disaster. Yet we notice that again, while the vast majority of casualties are Palestinians, mainstream media give disproportionate attention to the Israeli side, while Palestinians appear mostly as numbers.

As in every escalation of violence, far more Palestinians are injured and killed than Israelis, both because of Israel’s advanced and powerful army, and because of the comprehensive protection Israelis have. Yet even within Israel, we note that not everyone receives these protections equally – among those killed on the Israeli side are a Palestinian father and daughter from the unrecognized village of Dahmash near Tel Aviv, which does not receive the state’s full protection.

Similarly, within Israeli towns and cities where both Palestinians and Jewish Israelis live, such as Jerusalem/Al-Quds and Lydda/Lod, there is increasing street violence by Jews against Palestinians and vice versa. Yet government ministers express support for the Jewish attackers alongside Jewish victims and police are deployed to protect them, while Palestinian’s violence is condemned all round and Palestinian victims are abandoned to their fate.

While most of the mainstream Israeli media and much of the international mainstream media focus on the attacks on Israel, we have to say clearly: Palestinian lives matter. Gazans are not numbers. The Israeli government is fully responsible for the escalation of violence, which it appears to have intentionally provoked and built up over the past few weeks.

Israeli citizens, especially Palestinians, who have taken to streets to protest against the violence, are being beaten down by the police, more violently than ever.

Jewish Israelis, Palestinian Israelis, and Palestinians in the besieged Gaza Strip and occupied West Bank and East Jerusalem – all people living under the Israeli regime are victims of this violence and oppression. But these groups are not victimized equally, and they do not bear equal responsibility. As Israelis we feel responsible to call out the Israeli government and take a clear stand.

We stand in solidarity with all those being targeted by our home country’s forces. We stand in solidarity with all those opposing the violent, racist Israeli regime. We stand in solidarity with all those working to end the occupation and apartheid. We denounce all those who stand against them.

Free Sheikh Jarrah! End the siege on Gaza! Down with the occupation!