„Die ganze Debatte wurde verkürzt“ / “The whole debate has been reduced”

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English

Lange merken wir, dass sich hierzulande die Israel/Palästina-Debatte ständig um eins dreht: BDS. Damit sind wir in JID von vorn herein konfrontiert: uns geht es in Vorderreihe um die Lage in unserem Herkunftsland, aber in Deutschland steht diese Bewegung, oder gar diese drei Buchstaben, im Mittelpunkt. Schon in allen unseren Stellungsnahmen bisher ist das Thema vorgekommen.

Ein neues Interview mit Wieland Hoban vom Verein „Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost e. V.“ hat, finden wir, den Punkt schön getroffen:

„Der Diskurs ist mittlerweile auf einem solchen Niveau angelangt, dass Menschen wie Salzborn oder Felix Klein auch jüdischen Menschen Antisemitismus unterstellen können, wenn sie zum Beispiel BDS unterstützen. Dabei gibt es nicht einmal den leisesten Versuch, zuzuhören oder verstehen zu wollen, warum sie sich dafür engagieren. Es ist zudem ziemlich anmaßend, dass sie diese Diskurshoheit beanspruchen.“

„Es ist aber nicht so, dass all jene, die sich für Gerechtigkeit in Palästina einsetzen, automatisch für BDS sind. Es ist auch nicht so, dass alle, die BDS unterstützen, meinen, dass jede Person, die das nicht tut, im Unrecht sei. Die ganze Debatte wurde darauf verkürzt. Wenn jemand propalästinensisch argumentiert, ohne dass BDS erwähnt wird, dann heißt es gleich: Sind Sie für BDS oder nicht? Oder: Das geht ja in die Richtung von BDS. Es konnte überhaupt nicht mehr über die Inhalte diskutiert werden.“

Auch abgesehen von diesen kurzen Auszügen ist das Interview unseres Erachtens sehr lesenswert!
Wir erweitern nach und nach unsere Sammlung an Texten und Infoquellen unter „Ressourcen“ – dieses Interview und einige andere interessante Beiträge sind jetzt dort mit zu finden.

Englisch / English version

For a long time, we have noticed that in Germany, the Israel/Palestine debate constantly revolves around one thing: BDS. In JID we are confronted with this from the beginning: we are concerned primarily with the situation in our country of origin, but in Germany this movement, or even these three letters, are the main event. The subject already came up in all of our statements so far.

A recent interview with Wieland Hoban (originally in German) from Jewish Voice for Just Peace in the Middle East has, we think, spoken quite nicely to this point:

“The discourse has now arrived at such a level that people like Salzborn or Felix Klein can also accuse Jewish people of antisemitism, for example when they support BDS. There is not the slightest attempt to listen or to want to understand, why they engage themselves like this. It is moreover pretty arrogant of them to claim this sovereignty of the discourse.”

“But it’s not the case that everyone who stands up for justice in Palestine is automatically for BDS. It’s also not the case that everyone who supports BDS believes that anyone who does not do this is at fault. The whole debate has been reduced to this. If someone argues for the Palestinians, without mentioning BDS, they are immediately asked: “Are you for BDS or not?” Or they are told “That’s going in the direction of BDS”. It is no longer possible to talk about the substance.”

Even apart from these short excerpts, we think the interview is well worth reading!
We are gradually expanding our collection of texts and info sources under “Resources” – this interview and some other interesting contributions can now be found there as well.